„Manipulation und Desinformation“: Türkischer Außenminister entlarvt deutsche „Lügenpresse“

Im Interview erklärte Mevlüt Cavusoglu die Probleme mit den deutschen Medien, mit der EU und der Reaktion nach dem Putsch. Er gab sich sehr kämpferisch. Die Bundesregierung tut gut daran, seine Kritik sehr ernst zu nehmen.

 

 

Manipulation und Desinformation des deutschen Volkes

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu gab der BILD ein Interview. Darin kritisierte er auch die deutsche Presse. Hier der O-Ton:
„Aber die Berichterstattung in Deutschland, auch bei Ihnen bei der BILD-Zeitung, ist gesteuert in einer Richtung, die nichts mit der Realität in der Türkei zu tun hat.“ Das saß!

Aber Cavusoglu setzte noch einen drauf: „Aber es kann doch kein Zufall sein, dass deutsche Medien mit ganz unterschiedlicher politischer Ausrichtung bei der Türkei die gleichen Wörter, die gleiche Rhetorik wählen. Das ist Manipulation und Desinformation des deutschen Volkes.
Auch seine Argumente zu anderen Themen schlugen ein wie eine Bombe. Hier die Zusammenfassung (Hervorhebungen durch mich):

Verhältnis zur EU

Cavusoglu: „Wir haben uns wie kaum ein anderes Land angestrengt, alle Bedingungen für den EU-Beitritt zu erfüllen. Aber das, was wir jetzt von Teilen der EU erleben, sind ausschließlich Drohungen, Beleidigungen und eine totale Blockade. Ich frage mich: Was haben wir verbrochen? Warum gibt es diese Türkei-Feindlichkeit?“

Flüchtlingspakt

Cavusoglu: „Schauen Sie sich die Abkommen zu den Flüchtlingen an. Wir haben Verträge, wo klar fest gelegt ist, dass es im Oktober die Visa-Freiheit für alle Türken geben wird. Und wenn ich auf diese bestehenden Verträge hinweise, reagieren plötzlich viele gereizt. Aber es kann nicht sein, dass alles, was für die EU gut ist von unserer Seite umgesetzt wird, aber die Türkei dafür nichts bekommt.“

Merkel, Kanzlerin von Erdogans Gnaden


Auf die Frage, ob wieder hunderttausende Flüchtlinge nach Europa kommen werden, wenn es keine Visa-Freiheit gibt, antwortete Cavusoglu: „Ich möchte nicht über den schlechtesten Fall sprechen, die Gespräche mit der EU gehen weiter. Aber klar ist: Entweder wenden wir alle Verträge gleichzeitig an oder wir legen sie alle zur Seite.“

Er forderte ebenfalls, dass die EU  ihre Verpflichtungen einhalten soll:  „Es enttäuscht mich, wenn wir dafür kritisiert werden, dass wir die drei Milliarden Euro fest gelegte Unterstützung einfordern. Das Geld ist doch nicht für uns, sondern für die Flüchtlinge! Die Türkei trägt die Hauptlast aller Länder, wir haben 25 Milliarden Dollar ausgegeben. Aber von der EU hören wir nur: ‚Wir sind die Chefs, und so wird es gemacht!‘ Aber so geht das nicht, diese Mentalität ist falsch.“

Todesstrafe

Cavusoglu: „In Europa wird so getan, als hätten wir die Todesstrafe schon eingeführt. Es gibt diesen Ruf der Menschen danach und das muss man verstehen. Es war der blutigste Putschversuch in der Geschichte der Türkei. Menschen wurden von Panzern überrollt, von Jets beschossen, das Parlament bombadiert. Wir können diesen Ruf nicht ignorieren und müssen es im Parlament beraten. Denn wir wollen solche wichtigen Fragen nicht aus einem Augenblick heraus fällen, sondern mit allen Seiten in Ruhe darüber diskutieren.“

Todesstrafe in der Türkei? – In der EU gilt sie schon lange!

 

„Säuberungen“ und Massenentlassungen nach dem Putsch

Cavusoglu: „Sie verstehen nicht, wie gefährlich die Terrororganisation Fethullah Gülens ist, die eindeutig hinter diesem Putsch steckte. Seit 40 Jahren wurden Justiz, Polizei und Militär konsequent unterwandert. Auch mein Ministerium hier, 300 bis 400 Anhänger dieser Gruppe kamen durch vorher geklaute Prüfungsfragen in den vergangenen Jahren ins Ministerium, obwohl sie nicht mal eine Fremdsprache sprechen.“

Deutsche Presse kann Erdogans Argumente nicht widerlegen


Und dann eine Breitseite gegen Deutschland: „Was die Entlassungen angeht: In Deutschland wurden nach der Wiedervereinigung mehr als 150 000 Menschen entlassen, weil sie im Verdacht waren, der Sowjetunion nahe zu stehen.“ Auch das saß.

Mein Fazit

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu gab sich noch kämpferischer als Präsident Erdogan. Man sollte sich nicht erpressen lassen, aber die EU und Deutschland tun gut daran, die Kritik ernst zu nehmen, sonst wird es ab Oktober eine neue Flüchtlingskrise geben. Diese würde Angela Merkel politisch nicht überleben. Da bin ich mir sicher.

 

 

 

 

 

Quelle:
http://www.bild.de/politik/ausland/interview/europa-demuetigt-die-tuerkei-47317120.bild.html

Foto: Screenshot youtube: https://www.youtube.com/watch?v=CrixO4x0wU8

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6 Comments

  1. Hallo Herr Grandt,
    mit Interesse verfolge ich Ihre Kommentare im Internet.
    Meiner Meinung nach haben Sie fast immer Recht.
    Sie werden jedoch nichts erreichen, weil wir in einer einheitlich gelenkten Pressediktatur leben. Jeder der nicht mitmacht wird gnadenlos bekämpft – Putin, Erdogan, Trump.
    Jede Diktatur wurde jedoch erst mit dem totalen Untergang beendet.
    Und so wird auch die Pressediktatur untergehen, und wir (Deutschland, Europa) mit ihr.
    Erst dann kann es einen Neubeginn geben.

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