Immer jüngere Täter, immer brutalere Verbrechen – und ein Rechtssystem, das kaum reagieren kann. Während Politiker über Reformen sprechen, wächst in den Straßen die Gewalt durch Minderjährige heran, die sich von der Justiz sicher fühlen.
Wenn Kinder zu Tätern werden
Was einst undenkbar war, wird immer häufiger zur bitteren Wirklichkeit: Jugendliche, kaum dem Kindesalter entwachsen, greifen zu Messern, Pistolen – oder lassen sich sogar als Auftragskiller anwerben.
Die Zahlen steigen europaweit. Die Brutalität nimmt zu und mit jeder neuen Tat wächst die Verunsicherung bei den Verantwortlichen.
Frankreich: Die Verbrechen Minderjähriger werden immer brutaler
In Frankreich schlagen Politiker inzwischen offen Alarm. Innenminister Laurent Nuñez stellt die Grundfrage: Kann man jugendliche Täter noch wie Kinder behandeln, wenn sie wie Profikiller handeln? Denn selbst bei Verbrechen wie Mord, die mit besonderer Grausamkeit begangen wurden, wird ihnen Nachsicht entgegengebracht.
Nuñez: »Wenn man sieht, wie viele Minderjährige in schwere Straftaten verwickelt sind die sich mit illegalem Drogenhandel beschäftigen, die an Schlägereien zwischen Banden unter Einsatz von Stichwaffen beteiligt sind müssen wir uns wenigstens die Frage stellen, wie damit umzugehen ist«.
Justizminister Gérald Darmanin geht noch weiter. Seine Botschaft ist unmissverständlich: »Wer mordet, darf nicht automatisch milder behandelt werden – nur, weil er jung ist«.
Nach französischem Recht bedeutet die Minderjährigkeit eines Straftäters nämlich, dass die ihm drohende Höchststrafe nur die Hälfte der Strafe beträgt, die ein Erwachsener verbüßen müsste, oder sogar noch weniger.
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Ein Fall, der Frankreich erschütterte
Auslöser der aktuellen Debatte in Frankreich ist ein erschütternder Strafprozess: Ein erst 14-jähriger Jugendlicher ließ sich als Auftragskiller anwerben und erschoss in Marseille den 36-jährigen Nessim Ramdan – Familienvater, Berufskraftfahrer, drei Kinder. Die Tat ereignete sich bereits am 4. Oktober 2024, doch erst jetzt steht der Täter vor Gericht.
Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, der Name des Angeklagten bleibt geheim – und dennoch zieht der Fall enorme Aufmerksamkeit auf sich. Zu groß ist das Entsetzen über die Tat, zu beunruhigend sind ihre Hintergründe. Denn im Zuge der Ermittlungen trat ein alarmierendes Muster zutage: Kriminelle Netzwerke in Marseille rekrutieren gezielt Minderjährige über soziale Medien. Jugendliche werden angesprochen, angeworben und schließlich als Werkzeuge eingesetzt – für Racheakte oder gezielte Tötungen. Ein perfides System, das auf Austauschbarkeit setzt: jung, leicht beeinflussbar, rechtlich milder behandelt.
Als die Polizei den 14-Jährigen festnahm, versuchte dieser zunächst, den tödlichen Schuss als Unfall darzustellen. Er habe niemanden töten wollen, behauptete er. Doch die Ermittlungen zeichneten ein anderes Bild: Der Jugendliche handelte im Auftrag. Doch er erschoss einen Unschuldigen, denn das Opfer war nicht das eigentliche Ziel.
Nessim Ramdan befand sich schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort – in unmittelbarer Nähe, als der Jugendliche auf seine eigentliche Zielperson wartete. Ein tödlicher Irrtum und ein sinnlos ausgelöschtes Leben.
Minderjährige morden in ganz Frankreich
Aber nicht nur Marseille ist längst ein Brennpunkt organisierter Kriminalität, in ganz Frankreich häufen sich Fälle, die selbst abgeklärte Beobachter erschüttern. Immer wieder berichten Medien von Gewalttaten, begangen von Jugendlichen – brutal, plötzlich, oft wegen scheinbarer Nichtigkeiten.
So erstach kürzlich ein 16-jähriger Schüler nach einem Streit vor den Toren seines Gymnasiums seinen Klassenkameraden. Ein anderer verlor sein Leben, weil er sich weigerte, sein Handy an jugendliche Räuber herauszugeben.
In Cannes griff eine Schülerin ihren Ex-Freund mit einem Messer an, verletzte ihn am Hals und am Arm. Weniger Glück hat eine 60-jährige Lehrerin in Sanary-sur-Mer. Ein 14-jähriger Schüler stach mehrfach auf sie ein. Vier Messerstiche. Das Opfer überlebte nur durch einen beherzten Einsatz der Notärzte, die schnell am Tatort waren.
Besonders brisant: Diese Taten geschahen trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen, denn an den meisten französischen Schulen wurden Rucksackkontrollen eingeführt, um Waffen frühzeitig zu entdecken und sicherzustellen. Doch selbst diese Maßnahmen scheinen nicht auszureichen.
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In ganz Europa zeichnet sich ein ähnliches Muster ab
Doch das Problem ist längst kein rein französisches Phänomen mehr. In ganz Europa herrscht Gewalt durch Jugendliche.
Schweden: Jugendliche geraten immer stärker in den Sog organisierter Kriminalität. Dort werden Minderjährige gezielt von Banden angeworben – nicht nur für Botengänge oder Diebstähle, sondern zunehmend auch für schwerste Verbrechen bis hin zu Auftragsmorden. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2024 war rund ein Viertel der Tatverdächtigen in Schweden unter 18 Jahre alt.
Deutschland: Ein ähnlicher Trend zeigt sich auch hier: die Zahl der Straftaten unter Jugendlichen und Heranwachsenden steigt spürbar an. Laut Statistik für 2024 (eine neuere ist noch nicht veröffentlicht) war nahezu jeder fünfte Festgenommene – exakt 18,1 Prozent – jünger als 21 Jahre.
Großbritannien: Auch das Königreich bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Dort steigt die Zahl der Gewaltdelikte mit Stichwaffen seit Jahren spürbar an. Was einst vor allem ein Phänomen organisierter Jugendbanden war, hat sich inzwischen ausgeweitet – weit über die eigentlichen Täterkreise hinaus.
Niederlande: Auch bei unseren Nachbarn lassen die Zahlen kaum Spielraum für Beschwichtigungen. Der Amsterdamer Polizeikommissar Peter Holla warnte bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2025 vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Die Zahl der Opfer und der Tatverdächtigen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren hat sich innerhalb nur eines Jahres verdoppelt. Ein dramatischer Anstieg – und ein deutliches Signal, dass sich etwas grundlegend verändert.
Als Ursachen nennt Holla eine gefährliche Mischung: finanzielle Not, Kontakte zur organisierten Kriminalität und vor allem den massiven Einfluss sozialer Netzwerke. »Sie haben keine Ahnung, was sie für ein paar hundert Euro auf sich nehmen«, so Holla.
Wie weit das gehen kann, zeigte ein besonders drastischer Fall: Ein belgischer Jugendlicher wurde von einer kriminellen Bande in den Niederlanden rekrutiert – und nach Spanien geschickt. Sein Auftrag: ein gezielter Mord. In Fuengirola erschoss er einen 25-jährigen Niederländer und floh nach der Tat. Doch aufgrund eines europäischen Haftbefehls wurde er in Gent gefasst.
Auffallend: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Schweden, Niederlande sind alles Länder mit hohem Ausländer- und Migrationsanteil. Finde den Fehler!
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Jugendschutz wird zu Täterschutz
Was früher die Ausnahme war, wirkt heute wie ein Muster: Grenzen spielen kaum noch eine Rolle. Immer mehr junge Menschen tragen Messer bei sich. Ein gefährlicher Kreislauf entsteht: Wer sich bedroht fühlt, bewaffnet sich und wer bewaffnet ist, greift im Ernstfall schneller zur Gewalt. Die Schwelle sinkt – und die Eskalation kommt oft in Sekunden. Auf der anderen Seite werden immer mehr Jugendliche als Auftragskiller angeheuert, weil sie strafunmündiger sind.
Denn das europäische Rechtssystem basiert auf einem idealistischen Gedanken: Jugendliche sollen geschützt werden. Aber genau dieser Schutz ist zum Problem geworden. Denn wer weiß, dass ihm nur geringe Strafen drohen, verliert die Angst vor Konsequenzen. Die Folge: Ein System, das eigentlich abschrecken soll, wirkt zunehmend entgegengesetzt. Nicht Abschreckung – sondern Ermutigung.
Zeit, dass dies so schnell wie möglich geändert wird und minderjährige Täter wie »vollwertige« Täter behandelt werden, so wie es in den USA der Fall ist, wo schon 11-Jährige des Mordes angeklagt werden können.
Quellen:
Bild: ChatGPT
https://www.bild.de/news/ausland/11-jaehriger-unter-mordverdacht-69d600489e9e187ca9edb14b
