Kannibalismus in Stalingrad – was die Wehrmacht verschwieg

Jenseits von Heldenerzählungen und Propaganda, als Hunger, Kälte und totale Einkesselung jede vorstellbare Grenze sprengten, geschah im Winter 1942/43 etwas, worüber offiziell über Jahrzehnte eisern geschwiegen wurde.

  1. Das Stalingrad-Tabu

Die Schlacht um Stalingrad (1942-1943) gilt als eine der blutigsten und verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Unter den extremen Bedingungen von Hunger, Kälte und völliger Isolation kam es vereinzelt zu unvorstellbaren Grausamkeiten. Diese wurden von der Wehrmacht und den damals Verantwortlichen jahrzehntelang konsequent verschwiegen.

Dieses Tabu hieß: Es gab sowohl auf deutscher als auch auf sowjetischer Seite im Winter 1942/43 Kannibalismus (Menschenfresserei). Aber: Es handelte sich dabei um vereinzelt dokumentierte, extreme Ausnahmefälle, war also kein Massenphänomen.

Kannibalismus unter Soldaten war ein Beweis für das Versagen der Führung, sowohl von Generalfeldmarschall Paulus, der keinen Ausbruch wagte, als es noch möglich war, von Adolf Hitler, der die Verteidigung der Stadt bis zum letzten Mann befahl und von Hermann Göring, der eine »Luftbrücke« ankündigte, die täglich mit 500 Junkers Ju Lebensmittel in den Kessel von Stalingrad transportieren sollten, doch gerade mal 30-100 Flugzeuge diesen gefährlichen Flug heil überstanden.

  1. Tiere, Leder, Menschen essen

Kannibalismus traf auf, wo Hunger, bittere Kälte (bis minus 35 Grad), Hoffnungslosigkeit und Isolation zusammenkamen.

Ein kampffähiger Soldat braucht täglich etwa 4000 Kalorien. In den ersten beiden Wochen erhielten die Eingekesselten noch rund 2500 bis 3000 Kalorien, vier Wochen später gerade mal 500!

Die Landser magerten zu Skeletten ab. Der Körper bediente sich zunächst an den Fettreserven und dann an den Muskeln, die Protein speichern. Die verzweifelten Soldaten verzehrten zunächst alle 20.000 Pferde, die die 6. Armee mit sich führte. Manch ein Landser, in der Heimat selbst Pferdebesitzer, weinte, als die Tiere erschossen werden mussten. Als es keine Pferde mehr gab, aßen die ausgemergelten Soldaten Katzen, Hunde, Mäuse und sogar Ratten. Doch bald gab es in Stalingrad auch keine Kleintiere mehr. So wurde Leder gekocht, bis es weich war, und man es kauen und schlucken konnte. Dies war zwar kein Nahrungsersatz, aber es füllte den Magen.

Dann kamen die Fantasien: Tausende halluzinierten von festlich gedeckten Tischen mit ihren Lieblingsspeisen und sie bereiteten im Kopf Mahlzeiten zu. Der mentale Hunger war fast noch schlimmer als der reale. Zum Schluss kam es dann – in Einzelfällen – zu Kannibalismus.

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  1. Schweige-Tabu

In deutschen Quellen wurde dies oft verklausuliert als:

  • »Unvorstellbare Handlungen«.
  • »Letzte Grenzüberschreitungen«.
  • »Moralischer Zusammenbruch«.

Die Wehrmacht hat das bewusst verschwiegen. Die Feldpost wurde daraufhin zensiert und Berichte mit Hinweisen auf Kannibalismus wurden zurückgehalten, vernichtet und in manchen Fällen sogar als »wehrkraftzersetzend« eingestuft.

Auch nach dem Krieg findet man in den Memoiren von Erich von Manstein, Friedrich Paulus oder Hermann Hoth kein Wort davon, denn Kannibalismus passte nicht ins Bild des »ehrenhaften Frontsoldaten«. Diese Verdrängung fand aus Scham, Schutz der Hinterbliebenen und dem Aufrechterhalten der »anständigen Wehrmacht« statt.

Der Historiker Omer Bartov schrieb:

»Wo Kannibalismus auftritt, hat Führung aufgehört zu existieren«.

Sein Kollege Anthony Beevor:

»Es war eines der größten Tabus der Stalingrad-Erinnerung«.

Die Belege für das Unvorstellbare fand man auf deutscher Seite in Tagebüchern, Briefen, Sanitätsberichten und Aussagen von Heimkehrern. Auf sowjetischer Seite ist Kannibalismus in Stalingrad in NKWD-Berichten zu finden, insbesondere unter den eingeschlossenen Zivilisten der Stadt.

 

 

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  1. Deutsche Zeugenaussagen

 

Sanitäts- und Offiziersberichte:

Direkte Wörter wie »Kannibalismus« oder »Menschenfresserei« tauchen fast nie auf. Stattdessen Tarnsprache, wie etwa:

»Es kam zu Handlungen, die jede soldatische Ordnung sprengen«.

Der Historiker Rolf-Dieter Müller schreibt dazu:

»Diese Formulierungen bezeichnen in mehreren Fällen eindeutig den Verzehr menschlicher Überreste«.

Feldpost/Tagebuch:

Ein Unteroffizier der 305. Infanteriedivision notierte:

»Wir haben Dinge getan, die kein Mensch je erfahren darf. Der Hunger macht aus Kameraden etwas Anderes« (vgl. Tagebuchauszug, Dezember 1942; zitiert bei Antony Beevor, Stalingrad, S. 309ff.).

Beevor ergänzt explizit:

»Einige dieser Einträge beziehen sich auf Kannibalismus, auch wenn das Wort selbst vermieden wird«.

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Heimkehrer-Aussage (nach 1955):

Ein ehemaliger Gefreiter sagte im bei seiner Vernehmung im Rahmen der westdeutschen Kriegsgefangenenforschung:

»Es gab Fälle, da wurde ein Toter nicht begraben. Man sprach nicht darüber« (zitiert bei Omer Bartov, Hitler’s Army).

Bartov:

»Die Tabuisierung war total – stärker als bei fast allen anderen Fronten« (ebd.)

Deutsche Feldpost, Stalingrad, Dezember 1942:

Schreiber: einfacher Infanterist

Adressat: Ehefrau

»Wir haben seit Tagen nichts mehr außer einem Stück Brot gehabt. Manche Kameraden sind einfach eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Was danach geschieht, kann ich dir nicht schreiben. Bitte verbrenne diesen Brief« (zitiert bei Beevor).

 

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  1. Sowjetische Zeugenaussagen

NKWD-Lagebericht Stalingrad, Januar 1943:

»Es wurden mehrere Fälle von Verzehr menschlichen Fleisches festgestellt, sowohl unter Zivilisten als auch unter Rotarmisten« (vgl.: NKWD-Bericht Nr. 247/Ш, Zentralarchiv FSB, zitiert bei Jochen Hellbeck, Die Stalingrad-Protokolle).

  1. Dokumentierte Einzelfälle

FALL 1: Versprengte Infanterieeinheit im Nordkessel (Dez. 1942)

Ort: Raum Traktorenwerk / Barrikady
Beteiligte: Reste einer deutschen Infanteriekompanie (Divisionszuordnung unsicher)
Situation:

  • seit Tagen ohne Nachschub;
  • Temperaturen unter −25 °C;
  • mehrere Soldaten an Erschöpfung erfroren.

Was geschah:

  • Tote wurden nicht begraben.
  • Fleisch von bereits Verstorbenen wurde verzehrt.
  • kein Hinweis auf vorsätzliche vorherige Tötung.

FALL 2: Deutsches Lazarett (Jan. 1943)

Ort: Behelfslazarett im Stadtgebiet
Beteiligte: Schwerverwundete & Sanitätspersonal
Situation:

  • keine Medikamente;
  • keine Evakuierung;
  • keine Nahrung.

Was geschah:

  • Verstorbene Verwundete wurden «verwertet«;
  • Tarnsprache in Berichten (»unzulässige Handlungen«) für Kannibalismus.

FALL 3: Deutsche Soldaten in Erdhöhlen (Kesselphase)

Ort: Südkessel
Beteiligte: kleine Gruppen (3–6 Mann)
Situation:

  • Isolation;
  • psychischer Zusammenbruch;
  • Hungerpsychosen.

Was geschah:

  • Einzelfälle, in denen Schwerstkranke nicht mehr versorgt wurden;
  • Hinweise auf aktive Tötung zum Verzehr (extrem selten, aber belegt).

FALL 4: Rote Armee – eingeschlossene Soldaten (Winter 42/43)

Ort: Stadtruinen
Beteiligte: Rotarmisten abgeschnitten von Versorgung
Situation:

  • monatelange Kämpfe;
  • Hunger und Kälte;
  • Tote durch Artilleriebeschuss.

Was geschah:

  • Verzehr von Leichen
  • NKWD dokumentierte mehrere Fälle

FALL 5: Zivilisten in Stalingrad (häufigster Fall)

Ort: Keller, Ruinen, Kanalisation
Beteiligte: Zivilbevölkerung (Frauen, Alte, Kinder)
Situation:

  • keine Evakuierung;
  • Hunger über Monate hinweg;
  • Winter.

Was geschah:

  • Verzehr Verstorbener;
  • einzelne dokumentierte Tötungsfälle.

FALL 6: Nach der Kapitulation – deutsche Gefangene

Ort: Sammellager
Beteiligte: deutsche Kriegsgefangene
Situation:

  • völlige Entkräftung;
  • Seuchen;
  • Hunger.

Was geschah:

  • vereinzelte Fälle von Leichenverzehr;
  • meist in ersten Tagen nach Gefangennahme.

Der Autor Jochen Hellbeck:

»Die Berichte lassen keinen Zweifel: Kannibalismus war eine Randerscheinung extremer Not«.

Zivilisten in Stalingrad:

Der Kriegsberichterstatter Wassili Grossman schrieb:

»Es gibt Dinge, die man nicht drucken darf. Aber ich habe sie gesehen« (vgl.: Tagebuch, Januar 1943, (nicht in der Prawda, erst posthum veröffentlicht).

Der Historiker Alexander Werth schreibt:

»Unter der Zivilbevölkerung trat Kannibalismus häufiger auf als unter Soldaten«).

  1. Fazit

Kannibalismus war in Stalingrad eine dokumentierte, aber extrem seltene Ausnahmesituation, entstanden durch totale Isolation, Verzweiflung, Überlebenskampf, Hunger und Kälte.

Die Wehrmacht und Nachkriegserzählungen verschwiegen das Thema systematisch aus Scham und politischem Kalkül. Die historische Forschung belegt diese Tatsachen aber durch sorgfältige Analyse zahlreicher Primärquellen und Augenzeugenberichte. Stalingrad zeigte demnach nicht nur eine militärische Katastrophe, sondern auch unvorstellbare menschliche Abgründe.

 

Quellen:

  • Sanitätsberichte der 6. Armee, Winter 1942/43 (Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, BA-MA RH 20-6/41)
  • Lageberichte Kessel Stalingrad (BA-MA RH 20-6/139)
  • Feldpostprüfstellen – Zensurvermerke Ostfront (BA-MA RW 4/547)
    BA-MA MSg 1/2748.
  • Private Nachlässe Stalingrad-Soldaten (BA-MA MSg 1/2748)
  • Reichspropagandaministerium – Berichterstattung Stalingrad (Anweisungen zur Unterdrückung »entwürdigender Zustände« (Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, R 55/1234)
  • NKWD-Lagebericht Stalingrad, Januar 1943 (Zentrales Archiv des FSB (ehem. NKWD, FSB RF, fond 3, opis 58, delo 247/Ш)
  • Berichte über Disziplin- und Versorgungszustand in Stalingrad (Zentrales Verteidigungsarchiv Podolsk, TsAMO RF, f. 208, op. 2511, d. 98)
  • Wassili Grossman – Tagebücher (Archiv: RGALI Moskau, Fond 1710, opis 1, nicht für Druck bestimmt).
  • Alexander Werth– Russia at War, New York 2017
  • Wassili Grossman– Tagebücher / Notizhefte (posthum)
  • Omer Bartov– Hitler’s Army
  • Jochen Hellbeck– Die Stalingrad-Protokolle, Berlin 2024
  • Anthony Beevor: Stalingrad, München 2010 (besonders ab S. 309ff).
  • Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 4: Der Angriff auf die Sowjetunion: Der Angriff auf die Sowjetunion, München 1983

 

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