Kaum ein Ort des Zweiten Weltkriegs ist so unbekannt – und zugleich so erschütternd – wie Rschew. Hier mahlte ein »Fleischwolf« über 15 Monate hinweg Hunderttausende, vielleicht Millionen Soldaten nieder.
Blutig wie Stalingrad – und doch fast vergessen
In Rschew, einem unscheinbaren Industriezentrum am Oberlauf der Wolga, 230 Kilometer westlich von Moskau tobte vom Januar 1942 bis März 1943 eine Schlacht, deren Ausmaß mit dem von Stalingrad verglichen werden kann.
Historikerin Swetlana Gerassimowa nennt Rschew in ihrem Werk »Das Blutbad von Rschew. Schukows verlorener Sieg« eine der grausamsten Auseinandersetzungen des gesamten Krieges. Ihre Schätzung: bis zu zwei Millionen Tote. Offizielle Zahlen sprechen von rund 430.000 Opfern. Schon diese Differenz zeigt, wie unklar immer noch die Auswirkungen und die Forschungen dazu sind.
Die Kämpfe waren blutig, brutal und gnadenlos. Die Soldaten nannten sie den »Rschewer Fleischwolf«.
——–
Das EINZIGE Buch, das ALLE Massenmorde der Alliierten an uns Deutschen in den Mittelpunkt stellt – Amazon-Bestseller!

Hier bestellen:
———
Die Wende
Ende 1941 hatte die Rote Armee Hitlers scheinbar unaufhaltsame Wehrmacht vor Moskau gestoppt – und sogar zurückgeworfen. Bis zu 350 Kilometer drängten sowjetische Truppen die Deutschen nach Westen. Ein Wendepunkt. Doch es war auch ein Moment gefährlicher sowjetischer Selbstüberschätzung.
Stalin glaubte, der Feind sei am Ende. Im Januar 1942 erklärte er im Kreml selbstbewusst, die Wehrmacht sei in Panik, schlecht auf den Winter vorbereitet, moralisch gebrochen. Man dürfe ihr keine Atempause gewähren. Sie müsse »ohne Unterbrechung nach Westen gejagt« werden. Bis Jahresende – so sein Befehl – sollten Hitlers Armeen auf sowjetischem Gebiet zerschlagen werden. Zudem sollte Leningrad entsetzt, die Krim befreit und das Donbecken zurückerobert werden.
Das waren gewaltige Pläne, die jedoch auf einem folgenschweren Irrtum basierten.
Der Frontbogen – ein Dolch gegen Moskau
Stalin hatte sich geirrt, denn die Wehrmacht war keineswegs zusammengebrochen. So stießen sowjetische Einheiten bei ihrer Offensive im Januar 1942 bei Rschew auf zähen deutschen Widerstand.
In dem Gebiet hatte sich ein riesiger deutscher Frontbogen gebildet – rund 600 bis 650 Kilometer lang. Er ragte tief in sowjetisch kontrolliertes Gebiet hinein. Von hier aus blieb Moskau auch weiterhin bedroht, was das sowjetische Oberkommando permanent beunruhigte.
Deshalb befahl Stalin Marschall Georgi Schukow, den späteren »Sieger von Berlin«, diesen Brückenkopf einzukreisen und zu vernichten. Das was folgte, war jedoch keine schnelle Entscheidungsschlacht, sondern ein monatelanger Albtraum für die Soldaten.
——–
Die EINZIGE Buchreihe in Deutschland, die die Geschichte des 3. Reiches OBJEKTIV darstellt:

Hier bestellen:
———
Hitlers Sprungbrett nach Moskau
Auch für die Wehrmacht war Rschew von zentraler Bedeutung. Hitler sah den Frontbogen als mögliches Sprungbrett für einen erneuten Angriff auf die sowjetische Hauptstadt. Am 15. Januar 1942 befahl er deshalb, die Linie »um jeden Preis« zu halten. Die 9. Armee unter Generaloberst Walter Model, sowie große Teile der 4. Armee und der 3. Panzerarmee gingen dort in Stellung.
Bis zu 42 Divisionen wurden dazu im Raum Rschew konzentriert, Stellungen ausgebaut, Minenfelder gelegt, Artillerienester verschachtelt, sowie Wälder und Sümpfe in Verteidigungszonen verwandelt. Rschew wurde zu einem tödlich effektiven Bollwerk ausgebaut, an dem sich die Rote Armee die Zähne ausbiss.
15 Monate Fleischwolf
In vier groß angelegten Angriffswellen versuchte die Rote Armee, den Frontbogen von Rschew zu zerschlagen. Immer wieder stürmten sie gegen die gut befestigten deutschen Linien und immer wieder wurden sie im Artilleriefeuer zerschlagen. In manchen Abschnitten lagen ihre Verlustraten bei 80 oder 90 Prozent. Wälder wurden zu Massengräbern, Dörfer verschwanden von der Landkarte und der Boden war durchsetzt von Granatsplittern und Toten.
Doch der sowjetische Angriff scheiterte nicht nur am deutschen Widerstand. Er scheiterte auch an sich selbst: Unzureichend ausgebildete Soldaten wurden in die Offensive geworfen. Manche Offiziere besaßen nicht einmal Pistolen. Teilweise musste sich eine Gruppe Soldaten ein Gewehr teilen, deshalb sollten Waffen im Gefecht vom Gegner erbeutet werden. Auch die Munition war knapp. Für den täglichen Verbrauch wurden Obergrenzen festgelegt. Aufgaben wurden erteilt, die in keinem Verhältnis zu den realen Möglichkeiten standen. Die grausame Folge: Zehntausende Tote in kürzester Zeit.
Erst Anfang 1943 – nach der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad – wurde der Frontbogen aufgegeben. Die deutschen Truppen zogen sich rund 200 Kilometer zurück, um die Linie zu verkürzen.
Rschew fiel – aber nicht durch den entscheidenden sowjetischen Durchbruch, sondern durch eine strategische Neuordnung der Front.
Die Opferzahl sollte möglichst niedrig kommuniziert werden
Die Zahl der Toten bei Rschew gehört zu den bis heute umstrittensten Verlustfragen des Zweiten Weltkriegs.
Untersuchungen des russischen Militärhistorikers Grigorij F. Krivoschejew beziffern die sowjetischen Verluste im Raum Rschew zwischen Januar 1942 und März 1943 auf rund 392.000 Gefallene und Vermisste sowie etwa 768.000 Verwundete – insgesamt also über 1,1 Millionen Mann.
Andere Forscherinnen wie Swetlana Gerassimowa verweisen auf regionale Archivfunde und gehen von bis zu zwei Millionen Verluste aus.
Unstrittig ist jedoch: Die Kämpfe um den Rschewer Frontbogen zählten zu den verlustreichsten Schlachten der gesamten Ostfront. Die hohen Opferzahlen erklären auch, warum Rschew unter den Soldaten als »Fleischwolf« galt.
Folgen Sie mir auf meinen YouTube-Kanal mit vielen BRISANTEN Videos – bisher über 2 MILLIONEN Aufrufe:

Hier kostenlos abonnieren:
https://www.youtube.com/@MG-Klartext
Das Schweigen nach dem Krieg
Nach 1945 verschwand Rschew weitgehend aus der offiziellen sowjetischen Geschichtsschreibung. Von einer »Schlacht um Rschew« wollte man nicht sprechen. Stattdessen war von »vier Operationen mit lokalem Charakter« die Rede.
Rschew war ein ideologisches Tabu, weil es kein glänzender Sieg war, weil die Verluste immens waren und weil dort einer der größten militärischen Fehlschläge des »Helden« Georgi Schukows lag. Die Archive blieben lange verschlossen. Zahlen wurden relativiert und Kritik unterdrückt.
Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion begann eine ernsthafte historische Aufarbeitung. Archive öffneten sich. Studien erschienen. 2009 rückte eine Dokumentation über »Rschew – die unbekannte Schlacht Schukows« das Thema erstmals in den Mittelpunkt einer breiten Debatte. Aber erst 2018 trieb die Russländische Militärhistorische Gesellschaft die Aufklärung voran. Zweifel an der sowjetischen Kriegsführung oder Diskussionen über strategische Fehler spielen in diesem Geschichtsbild aber bis heute keine Rolle. Stattdessen wird Rschew als aufopferungsvolles Heldendrama und nicht als Tragödie erinnert.
Tatsächlich war Rschew aber so blutig wie Stalingrad.
——–

Hier bestellen:
Quellen:
Krivosheev, G. F. (ed.): Soviet Casualties and Combat Losses in the Twentieth Century, London 1997
Swetlana Gerassimowa: Ржевская мясорубка. Потерянная победа Жукова, Moskau 2009
Glantz, David M.: Zhukov’s Greatest Defeat: The Red Army’s Epic Disaster in Operation Mars, 1942,
Lawrence 1999
Ziemke, Earl F.: Stalingrad to Berlin, Washington D.C. 1968 (U.S. Army Official History)


