Mississippis Rassenplan: »Schwarze« sollten nach Afrika deportiert werden

Vor gut 100 Jahren wagte der Senat von Mississippi das heute Unvorstellbare: Mit einem offiziellen Beschluss sollte die schwarze Mehrheitsbevölkerung des Staates – Hunderttausende Menschen – aus ihrer Heimat vertrieben und nach Afrika »abgeschoben« werden. Unter dem Deckmantel einer »endgültigen Lösung der Negerfrage« träumten weiße Politiker nämlich von einem Amerika »reinen Blutes«.

Vor genau einem Jahrhundert geschah im amerikanischen Süden etwas, das man sich heute kaum mehr vorstellen kann – und doch bittere Realität war: Der Senat des Bundesstaates Mississippi, jener Bundesstaat, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung afroamerikanisch war, stimmte im Februar 1922 dafür, diese Mehrheit buchstäblich außer Landes zu schaffen. Nicht nur aus Mississippi sollten sie verschwinden, sondern aus den Vereinigten Staaten insgesamt. Der Plan: die Schwarzen Amerikas nach Afrika »zurückzuführen« – in eine Heimat, die die meisten von ihnen nie gesehen hatten, da ihre Vorfahren vor Jahrhunderten versklavt und gewaltsam verschleppt worden waren.

Ein Skandal in Gesetzesform

Am 20. Februar 1922 stimmte der Senat von Mississippi mit 25 zu 9 Stimmen für eine Resolution, die den Kongress und den Präsidenten der Vereinigten Staaten aufforderte, ein Stück Kolonialland in Afrika zu erwerben, um dort die schwarzen Bewohner Mississippis anzusiedeln und damit »ein endgültiges Heim für den amerikanischen Neger« (»Negros«) zu schaffen.

Im Gegenzug dafür sollten die Vereinigten Staaten einen Teil der hohen Kriegsschulden übernehmen, die die europäischen Siegermächte in Washington angehäuft hatten.

Bemerkenswerterweise fand der Vorschlag auch bei einigen Schwarzen Unterstützung: Separatisten, die einen Umzug nach Afrika dem täglichen Leben voller Gewalt und Misshandlungen vorzogen.

Die Idee der »Reinhaltung«

Verfasser der Resolution war Senator Torrey George McCallum, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Laurel (Jones County, Mississippi). Er stammte aus einer Familie, die tief mit der Sklaverei verstrickt war: Sein Großvater Archibald hielt 1860 auf seiner Plantage 51 versklavte Menschen und verfügte über ein Vermögen von 80.000 Dollar – das entspricht heute etwa 2,5 Millionen Dollar.

McCallums Vorschlag entstand im unmittelbaren Umfeld des Ersten Weltkriegs. Der relativ späte Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und die verheerenden Folgen des Konflikts hatten viele ihrer europäischen Verbündeten tief in Washingtons Schuld zurückgelassen. Insgesamt schuldeten die europäischen Staaten 10,35 Milliarden Dollar – das entspricht heute rund 174 Milliarden Dollar.

Obwohl diese Länder knapp bei Kasse waren, verfügten sie über reichlich Kolonialgebiete – insbesondere in Afrika, wo die großen europäischen Mächte in einem Wettlauf versucht hatten, den Kontinent unter sich aufzuteilen und seine Ressourcen auszubeuten. McCallum witterte darin die Grundlage für ein Geschäft.

In seiner Resolution erklärte er, dass »der Geist des Rassenbewusstseins« mit dem weltweiten Erstarken nationalistischer Gefühle nach dem Krieg gewachsen sei und dass es »unser innigstes Verlangen« sei, »eine gerechte, faire, gütliche und endgültige Lösung« für das zu finden, was manche Weiße damals die »Negerfrage« (»Negro question«) nannten.

McCallum forderte zudem, Präsident Warren G. Harding solle mit den Alliierten verhandeln, um genug Land in Afrika zu erwerben, wo unter US-Aufsicht eine neue »Neger-Republik« entstehen könne, die später souverän werden solle.

Der Senator stellte zudem klar, dass sich der von ihm beschworene »Geist des Rassenbewusstseins« allein auf die Weißen bezog. Das Ziel, so schrieb er, sei es, »dass unser Land im Blut eins werde, so wie es im Geiste eins ist, und dass der Traum unserer Vorväter in der endgültigen Kolonisierung des amerikanischen Negers auf seinem ursprünglichen Boden verwirklicht werde«.

Die Mehrheit der Bevölkerung sollte vertrieben werden

Die Resolution führte nicht ausdrücklich aus, ob die geplante Massenmigration freiwillig erfolgen sollte. Doch die verwendeten Begriffe machten deutlich, dass es um eine vollständige Vertreibung ging.

Die Betroffenen selbst – Mississippis Schwarze, 52 Prozent der Bevölkerung – wurden nicht gefragt. Schwarze Zeitungen im ganzen Land verspotteten McCallums Vorschlag – so wie Afroamerikaner im Allgemeinen schon die Kolonisierungspläne des vorangegangenen Jahrhunderts abgelehnt hatten: »Nur eines scheint der ehrenwerte Senator übersehen zu haben: nämlich, wie selbst die farbigen Menschen in Mississippi durch die Gesetzgebung des Staates dazu gebracht oder befähigt werden sollen, nach Afrika zu gehen«, schrieb die Broad Ax, eine schwarze Zeitung aus Chicago. Nach Generationen von Vergewaltigungen versklavter Frauen durch weiße Männer, so hieß es weiter, seien die »Zwischenschattierungen« inzwischen so zahlreich und vielfältig, dass es überhaupt fraglich sei, wer als »farbig« gelten solle.

Nach der Annahme im Senat gelangte die Resolution ins Repräsentantenhaus des Staates. Dessen Ausschuss für Bundesangelegenheiten empfahl am 1. März 1922 ihre Annahme. Am 10. März trat McCallum persönlich im Plenum auf, um für die Verabschiedung der Resolution zu werben. Doch das alles nützte nichts. Das Repräsentantenhaus lehnte die Resolution mit 40 zu 32 Stimmen ab.

Viele Abgeordnete begründeten ihre Ablehnung damit, dass deine Deportation der Schwarzen ein Verlust der Arbeitskräfte für sie sei – und zwar dort, wo der »Neger« gebraucht werde: im Delta und auf den Plantagen.

——–

Mein neuer Amazon-Besteller, der für viel Aufregung sorgt:

„Deutschland muss vernichtet werden!“ – VERTREIBUNG, VERNICHTUNG und ZERSETZUNG des deutschen Volkes (1914- bis heute):

Hier bestellen:

https://c.kopp-verlag.de/kopp,verlag_4.html?1=1038&3=0&4=&5=&d=https%3A%2F%2Fwww.kopp-verlag.de%2Fa%2Fdeutschland-muss-vernichtet-werden%2521

———

Auch Abraham Lincoln wollte Schwarze deportieren

Doch McCallum war bei Weitem nicht der einzige rassistische weiße Politiker, der daran interessiert war, Schwarze »zurück« in ein Afrika zu schicken.

Einige Befürworter der Kolonisation betrachteten dies als die »humanere« Alternative zur Sklaverei, doch die meisten sahen darin lediglich ein Mittel, ihre Staaten von freien Schwarzen zu »befreien«.

Unter den Befürwortern der Kolonisationspläne befand sich auch Abraham Lincoln, der sich ebenfalls für die Idee erwärmen konnte. 1862 verabschiedete der Kongress ein Gesetz, das 600.000 Dollar für die Kolonisierung ehemals versklavter Menschen bereitstellte, die im District of Columbia lebten.

Lincoln entsandte einen jungen freien Schwarzen namens John Willis Menard nach Britisch-Honduras (dem heutigen Belize), um es als möglichen Standort zu prüfen; auch die Dänischen Jungferninseln, Britisch-Guayana und Niederländisch-Surinam standen zur Debatte.

Lincoln hatte bereits ein Abkommen ausgehandelt, um in der Provinz Chiriquí im heutigen Panama eine Kolonie zu errichten. Doch heftige Einwände zentralamerikanischer Staaten zwangen ihn, den Plan aufzugeben. Schließlich genehmigte er, dass 453 freie Schwarze aus Virginia auf die haitianische Insel Île-à-Vache geschickt wurden. Doch hohe Krankheitsraten und eine Meuterei führten zum Zusammenbruch der Siedlung, und weniger als ein Jahr später segelten 350 Überlebende wieder zurück nach Virginia.

US-Senator Theodore G. Bilbo aus Mississippi, stolzes Mitglied des Ku-Klux-Klans, trug den Gedanken der Deportation in eine neue Generation. 1939 brachte er den sogenannten »Greater Liberia Act« ein, der auf McCallums Resolution von 1922 beruhte. Sein Vorschlag: Frankreich und Großbritannien sollten einen Schuldenerlass für ihre Kriegsschulden erhalten – im Gegenzug für ein 400.000-Quadratmeilen-Gebiet angrenzend an Liberia. Dieses »Groß-Liberia« sollte von einem US-Militärgouverneur verwaltet werden. Der Gesetzesentwurf kam jedoch nie zur Umsetzung.

———

Folgen Sie mir auf Telegram: Jeden Tag neue Infos, Audios, Videos:

Hier abonnieren:

https://t.me/MGrandt

Fazit

Die Episode von 1922 ist eine Erinnerung daran, dass Rassismus in den USA nicht nur in Gewaltakten auf der Straße sichtbar wurde, sondern in Gesetzen, Resolutionen und staatlichen Plänen – bis in die höchsten Institutionen hinein. Dass der Plan scheiterte, war nicht Verdienst moralischer Einsicht, sondern rein ökonomischer Interessen.

 

Quellen:

https://www.washingtonpost.com/history/2022/02/20/mississippi-black-africa-mccallum/

Grafik: Leonardo.ai

Veröffentlicht in Flüchtlinge, Gesellschaft & Kultur, History, Politik, USA, Zeitgeschichte.